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Chat vom 20. Mai 2010 mit Georg Wacker, Ehrenamtsbeauftragter der Landesregierung und Staatssekretär im Ministerium für Kultus,
Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg



Moderator: Liebe Chatterinnen und Chatter, Staatssekretär Georg Wacker ist auch soeben hier im Chatraum eingetroffen. Gleich die erste Frage zu Beginn: Können wir starten?

Georg Wacker: Ja sehr gerne.

Hanno: Wie können Menschen dazu bewegt werden, ein Ehrenamt zu übernehmen?

Georg Wacker: Indem man Menschen davon überzeugt, dass ein ehrenamtliches Engagement einen in der Persönlichkeitsentwicklung selbst voran bringt und in dem man viel Gutes tun kann. Beispielsweise durch soziale Hilfe am Nächsten.

Wolfgang H.: Warum startet der Ehrenamtsbeauftragte nicht mal einen Wettbewerb wie "Der Ehrenamtler des Monats"? Viele würden sich bestimmt über eine kleine Anerkennung freuen. Und dies wäre auch noch ohne große Kosten.

Georg Wacker: Das finde ich ist eine tolle Idee. Gerne denke ich darüber nach. Allerdings möchte ich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass es bereits landesweit viele Formen der Anerkennung gibt. Als herausragendes Beispiel möchte ich hier den alljährlich stattfindenden Ehrenamtswettbewerb "Echt-Gut!" - Ehrenamt in Baden-Württemberg erwähnen. Dies ist ein besonderer Preis der Landesregierung.

Sibi: Unser Vereinsvorstand tritt ab und man hat mich gefragt, ob ich kandidieren will. Gehe ich da ein finanzielles oder persönliches Risiko ein, wenn etwas schief geht? Auch wenn ich es nicht verschuldet habe?

Georg Wacker: Nach der neuen Rechtssprechung gehen Sie als Vorsitzender nur ein Haftungsrisiko ein, wenn Sie grob fahrlässig handeln. Wenn Sie unverschuldet in eine schwierige Situation geraten, kann man Sie nicht mehr für andere in Haftung nehmen.

Moderator: Damit dürfte auch diese Frage beantwortet sein:

Winnetou: Ich bin Vorsitzender in einem Verein. In welchem Maße hafte ich mit meinem Privatvermögen?

James Button: Wie hoch dürfen Aufwandsentschädigungen sein?

Georg Wacker: Jeder Verein ist frei, eine eigene Höhe der Aufwandsentschädigung festzulegen. Der steuerliche Freibetrag ist beispielsweise wie folgt geregelt: Übungsleiter können einen Höchstbetrag bis zu 2.100 Euro jährlich geltend machen. Daneben gibt es einen neuen Freibetrag: Für allgemein ehrenamtlich Tätige können jährlich bis zu 500 Euro steuerlich geltend gemacht werden. Wenn es Einzelfragen gibt, empfehle ich Ihnen, sich mit dem Vereinsbeauftragten Ihres Finanzamtes vor Ort in Verbindung zu setzen.

Roland H.: Wieso werden eigentlich viele der sogenannten "Ehrenämter“ bezahlt?

Georg Wacker: Die Ursachen haben vielerlei Gründe. Sicher ist eine gewisse Bezahlung auch ein Anreiz dafür, qualifizierte Ehrenamtliche für eine bestimmte Aufgabe zu gewinnen. Sehr häufig sind solche Bezahlungen lediglich Aufwandserstattungen, die das Ziel haben, Unkosten der Ehrenamtlichen finanziell zu decken.

Moderator: Eine Frage, die gerade live hereingekommen ist:

Tigga: Wo verläuft die Grenze zwischen Ehrenamt und bezahlter Sozialarbeit?

Georg Wacker: Grenzen sind im Einkommenssteuergesetz klar fest geschrieben. Allerdings lässt sich in der Praxis sehr schwer eine Trennungslinie ziehen.

Hanni: Ich bin Hartz IV-Empfänger und in sechs Vereinen ehrenamtlich aktiv. Jetzt habe ich einen neuen Job. Könnte man nicht Regelungen machen à la: 6 Ehrenämter - braucht nicht zu arbeiten?

Georg Wacker: Ehrenämter sind in der Regel nicht ausreichend vergütet, so dass eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Normalfall unumgänglich ist.

Anonymous: Bürokratische Hemmnisse z.B. durch das Finanzamt (sehr komplexe Besteuerung), GEMA, Versicherungen sind durch ehrenamtlich tätige Vorstandsmitglieder kaum zu bewältigen.

Georg Wacker: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wenn Ehrenamtliche das Gefühl haben, bürokratische Hemmnisse vorzufinden, bitte ich Sie, fachkundigen Rat einzuholen. Beispielsweise über das Ehrenamtsbüro der Landesregierung. Wenn es um steuerrechtliche Fragen geht, gerne auch über den Vereinsberater Ihres Finanzamtes.

Köster: Gibt es Schulungen in Vereinsrecht?

Georg Wacker: Es gibt vielfältige Schulungen. Jeder Verein ist an einen Fachverband angegliedert. Diese Fachverbände bieten entsprechende Schulungen im Vereinsrecht an. Diese Fortbildungsarbeit wird auch durch das Land gefördert.

PGP: Immer aufwendigere Schulungen verschlingen viel Geld. Wer soll das bezahlen?

Georg Wacker: Wenn Sie mit Schulungen Fortbildungen meinen, betrachte ich diese als notwendig. Eine Finanzierung dieser Maßnahmen ruht in der Regel auf mehreren Schultern. Dadurch ist meistens der Eigenbeitrag eines Nutzers überschaubar. Ein finanzieller Eigenbeitrag ist auch deswegen angemessen, weil damit auch ein konkreter persönlicher Nutzen verbunden ist.

Robert Bau: Sollte das Vereinsrecht nicht vereinfacht werden?

Georg Wacker: Hier bitte ich um konkrete Vorschläge, an welcher Stelle das Vereinsrecht vereinfacht werden soll. Als Ehrenamtsbeauftragter ist es meine Aufgabe, genau auf dieses Themenfeld ein Augenmerk zu richten. Wenn umsetzbare Vorschläge eingehen, mache ich auch Vorschläge für die Realisierung.

Hannah: Es ist schwer, ehrenamtlich in Schulen tätig zu werden, wegen eines überheblichen Auswahlverfahrens der Schulleitungen.

Georg Wacker: Vielen Dank für die Beschreibung Ihres Problems. Wenn es Ehrenamtliche gerade an Ganztagsschulen gibt, sind Schulleitungen auch froh darüber, solche in das pädagogische Konzept ihrer Schule einbinden zu können. Natürlich muss ein Schulleiter auch darauf achten, dass das Tätigkeitsprofil des Ehrenamtlichen auch zum pädagogischen Profil der Schule passt.

Drsorglos: Könnte man nicht mit einem bedingungslosen Grundeinkommen Ehrenamt gut fördern?

Georg Wacker: Wer soll dieses Grundeinkommen denn bezahlen?

Biberzahn: Was halten sie eigentlich davon, ein staatliches Grundeinkommen einzuführen und dann einfach jede Form von Arbeit ehrenamtlich durchzuführen?

Georg Wacker: In Baden-Württemberg gibt es ca. 4,5 Millionen Ehrenamtliche. Meines Erachtens ist ein solches Grundeinkommen nicht finanzierbar.

Reinhard: Von einem konkreten persönlichen Nutzen kann man doch beim Ehrenamt nicht sprechen. Es ist ja gerade Kern des Ehrenamts, dass es uneigennützig ist, obendrein auch noch ohne Entgelt. Wie hoch ist denn die berechnete finanzielle Wertschöpfung der Ehrenamtlichen im Land? Das wurde doch bestimmt schon berechnet. Welchen Prozent- oder Promillesatz davon wendet denn das Land zur Unterstützung dieser Menschen und ihrer unentgeltlichen Arbeit auf?

Georg Wacker: Mit konkretem persönlichen Nutzen meine ich, dass durch eine ehrenamtliche Tätigkeit die sogenannten sozialen Kompetenzen oder persönliche Kompetenzen gestärkt werden. Beispiele: Ein Übungsleiter eines Vereins lernt mit Menschen umzugehen und diese auch zu führen. Solche Kompetenzen bringen einen persönlich weiter und ggf. auch im Beruf. Die finanzielle Wertschöpfung ist nur schwer ermittelbar, weil jede Aufgabe sehr unterschiedlich zu bewerten wäre. Allerdings plädiere ich dafür, ehrenamtliches Engagement nicht unbedingt finanziell zu bewerten, denn eine demokratische Gesellschaft lebt davon, dass es einen großen sozialen Zusammenhalt geben muss. Und dieser kann finanziell einfach nicht vergütet werden. Es gibt verschiedene Fördertöpfe des Landes für das Ehrenamt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Förderung der Jugendarbeit.

Finn Heidelbeere: Was tun Sie gegen das nachlassende Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr? Sollte man nicht lieber einen Pflichtdienst einführen?

Isnafi: Bei der Freiwilligen Feuerwehr finden wir immer schwerer Nachwuchs. Ich sehe die Abdeckung der ländlichen Region gefährdet. Wird das Land etwas dagegen tun? Baden-Württemberg brennt in dieser Hinsicht!

Georg Wacker: Es gehen dann junge Menschen zur Freiwilligen Feuerwehr, wenn sie dieses Ehrenamt interessant finden. Da neben dem Angebot der Freiwilligen Feuerwehr es noch viele andere Möglichkeiten in einer Gemeinde gibt, sich ehrenamtlich zu engagieren, gibt es eine Konkurrenz der Angebote. Deshalb liegt es auch an der Feuerwehr selbst, neben dem Kernbereich der Feuerwehr auch andere attraktive Angebote für junge Menschen zu unterbreiten, die junge Leute dazu veranlassen, sich für das Ehrenamt der Freiwilligen Feuerwehr zu entscheiden. Das Land hat darauf keine Einflussmöglichkeit. Das Ehrenamt wird vor Ort gestaltet.

Hans: Stichwort Jugendarbeit: Unser Jugendcafé kann nur bestehen bleiben Dank der Ehrenamtler. Die Kommune und das Land streichen immer mehr Zuschüsse. Wird hier Verantwortung abgewälzt?

Georg Wacker: Gemeinsames Tun beispielsweise in einem Jugendcafé betrachte ich nicht als staatliche Aufgabe. Insofern ist es zielführend, auch Personen für die Unterhaltung zu gewinnen, die darin eine ehrenamtliche Aufgabe sehen. Dieses ehrenamtliche Engagement macht einen positiven Eindruck auf Jugendliche, die dadurch erkennen, dass das Ehrenamt ihnen zu Gute kommt.

Peter: Können komplexere Zertifizierungen für Jugendarbeit (wie in Bayern) ehrenamtliches Engagement insbesondere für kleinere Träger erschweren?

Georg Wacker: Ich bin gegen komplizierte Zertifizierungen im Ehrenamt. Allerdings macht es Sinn, dass ehrenamtliches Engagement bescheinigt wird, wenn damit der Ehrenamtliche etwas anfangen kann, beispielsweise im Beruf.

SSH-Certificate: Sollte ernsthafter und mehr zertifiziert werden um eine hohe Qualität sicherzustellen?

Georg Wacker: Über die Qualität eines Ehrenamtlichen kann der Nutznießer am besten entscheiden. Dazu braucht es nicht unbedingt ein Dokument. Bei dieser Gelegenheit weise ich trotzdem auf den Qualipass des Landes Baden-Württemberg hin. Dieser genießt ein hohes Ansehen und ist in der Handhabung nicht kompliziert. Bisher wurden über 300.000 Exemplare ausgestellt. Über die Internetadresse: www.qualipass.info erfahren Sie bei Bedarf näheres.

Hilde: Wie wird sich Baden-Württemberg 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligen beteiligen?

Georg Wacker: Wir haben das grundsätzliche Ziel, uns daran zu beteiligen. Wir führen im Moment über die Ausgestaltung Gespräche auf Bundesebene.

Foodsiekuah: Welche Projekte finden sie persönlich besonders toll?

Georg Wacker: In erster Linie ist es für mich wichtig, besonders viele junge Menschen an das Ehrenamt heranzuführen. Das Schülermentorenprogramm des Landes ist ein exzellentes Beispiel dafür, junge Menschen an ehrenamtliche Aufgaben heranzuführen. Ein ähnliches Programm gibt es auch im Erwachsenenbereich. Wir sind dabei, ein Elternmentorenprogramm aufzubauen. Dieses hat das Ziel, besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund auch für das Ehrenamt zu gewinnen.

Kirschkern: Kann ich mir meine ehrenamtliche Tätigkeit bescheinigen lassen?

Georg Wacker: Ja! Der Qualipass ist ein solches Dokument. Auch für Schülerinnen und Schüler gibt es die Möglichkeit, sich ein Beiblatt für das Zeugnis ausstellen zu lassen.

Manni: Gibt es ein einheitliches Zeugnis für ehrenamtliches Engagement?

Georg Wacker: Nein. Das ist auch nicht nötig. Das ehrenamtliche Engagement ist so vielfältig, dass es schwer fallen würde, ein einheitliches Formular zu erstellen.

SilkeK: Aber die Schüler haben ja immer weniger Zeit für Ehrenamt. Das sehe ich doch an meiner Tochter. Nach 9 Stunden Unterricht, Hausaufgaben, Klausurvorbereitung - wann noch Ehrenamt?

Georg Wacker: Nach der Freiwilligensurvey der Bundesregierung aus dem Jahr 2005 engagieren sich etwa 45 Prozent der Jugendlichen in Baden-Württemberg aus verschiedenen Altersgruppen im Ehrenamt. Damit beziehe ich das projektorientierte Engagement mit ein. Dies ist eine beachtliche Zahl!

Bienchendrei: Wo kann ich herausfinden, welches Angebot an ehrenamtlichen Stellen es gibt?

Georg Wacker: Hier gibt es viele Informationsmöglichkeiten. In vielen Kommunen gibt es Ehrenamtsbüros, die über die Möglichkeiten vor Ort informieren. Wenn Sie sich für eine bestimmt Sparte interessieren, können Sie sich auch mit den entsprechenden Fachverbänden in Verbindung setzen. Diese haben in der Regel sehr informative Internetauftritte. Auch das Kultusministerium bietet solche Informationen an unter www.ehrenamt-bw.de.

Muse52: Besuchen sie auch Einrichtungen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern, um sich ein Bild zu machen?

Georg Wacker: Sehr häufig. Denn ich profitiere stark davon, was Ehrenamtliche mir vor Ort zu berichten haben.

Frauke: Ich und eine Bekannte besuchen in unserer Freizeit ein Seniorenheim und nehmen uns Zeit für die Senioren. Jetzt will uns die Heimleitung die Besuchstage vorschreiben. Das ist nicht fair. Sollte es nicht mehr Achtung vor ehrenamtlicher Tätigkeit geben?

Tonia: Sehr geehrter Herr Wacker, sollten ehrenamtlich Tätige Ermäßigungen zum Beispiel im Kino oder wenigstens in staatlichen Museen oder Ähnlichem bekommen?

Georg Wacker: Solche Ermäßigungen begrüße ich. Auch hier liegt es an dem Betreiber selbst, ehrenamtliches Engagement durch ermäßigte Eintrittspreis zu würdigen. Ich werbe sehr dafür, eine solche kleine Anerkennung für Ehrenamtliche zu schaffen. Auch in bestimmten Landeseinrichtungen gibt es solche Ermäßigungen.

Pommes: Ich helfe gelegentlich als Platzwart bei meinem Fußballverein aus. Bin ich bei einem Arbeitsunfall versichert? Ich bin Mitglied im Verein.

Georg Wacker: In der Regel sind Vereinsmitglieder bei Ihrem Verein versichert. Wenn Sie sicher gehen wollen, informieren Sie sich konkret bei Ihrem Verein oder bei Ihrem Fachverband.

Heini: Haben nicht viele Leute einfach keine Zeit für ehrenamtliches Engagement? Welche Möglichkeiten habe ich als Arbeitnehmer, mich für ehrenamtliches Engagement freistellen zu lassen?

Georg Wacker: Es gibt in zunehmendem Maße Unternehmen, die ehrenamtliches Engagement dadurch honorieren, in dem sie ihnen hierfür Freiräume ermöglichen. Einen Freistellungsanspruch gibt es nach dem Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes in der Jugendarbeit.

Arbeiter: Ich bin Kassenwart unseres Vereins geworden und habe das aber noch nie gemacht. Bieten Sie eine Möglichkeit, sich bei der Finanzverwaltung beraten zu lassen?

Georg Wacker: Jedes örtliche Finanzamt hat die Stelle eines Vereinsberaters. Dieser steht den Vereinen als Ansprechpartner zur Verfügung. Wenn Sie umfassende Informationen über Ihr neues Amt möchten, empfehle ich Ihnen ein entsprechendes Seminar bei Ihrem Fachverband zu besuchen.

NeueHerausforderungen: Ist kirchliche Jugendarbeit wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft?

Georg Wacker: Ja selbstverständlich. Das christliche und soziale Miteinander steht hierbei im Mittelpunkt und ist für die Gesellschaft notwendig.

MonChi: Hallo Herr Wacker. Mach es Ihrer Meinung nach Sinn, sich ehrenamtliches Engagement in den Lebenslauf zu schreiben? Ist das für potentielle Arbeitgeber interessant?

Georg Wacker: In zunehmendem Maße ja. Dies habe ich in vielen persönlichen Gesprächen mit Unternehmern erfahren. Sozial- und Führungskompetenzen, die aus dem Ehrenamt in den Beruf hineingetragen werden, werden immer wichtiger.

Staatsbürger: Gibt es für Beamte eine Regelung, für ehrenamtliche Tätigkeiten früher den Dienst zu verlassen? Eventuell Kernzeiteinbruch?

Georg Wacker: Eine solche Regelung im öffentlichen Dienstrecht ist mir nicht bekannt.

Wanda: Sollten wir die Anforderungen an Transparenz in Vereinen erhöhen? Dadurch kann man doch sicherlich die Spendenbereitschaft erhöhen.

Georg Wacker: Wenn ein Verein eine gute Öffentlichkeitsarbeit betreibt, und wenn dadurch der besondere Zweck erkennbar wird, kann die Spendenbereitschaft erhöht werden.

DrMabuse: In den USA ist das Ehrenamt weitaus weiter ausgebaut als in Deutschland - obwohl es dort weniger soziale Absicherung und weniger Urlaub gibt. Wie erklären Sie sich das?

Georg Wacker: Man kann die beiden Gesellschaftssysteme nicht miteinander vergleichen. Baden-Württemberg hat eine gewachsene Struktur des Ehrenamtes, die den jeweiligen Verbänden zuzuordnen sind. Daneben haben sich viele Initiativgruppen gebildet. Insgesamt engagieren sich in unserem Bundesland 42 Prozent der Menschen im Ehrenamt. Diese Zahl lässt sich gegenüber Amerika gut darstellen.

Susi: Unternehmen sie etwas, ehrenamtlich Engagierte in der Öffentlichkeit mehr zu loben?

Lotte23: Welche zukünftigen Projekte sind geplant, um die gesellschaftliche Stellung des Ehrenamts weiter zu stärken?

Georg Wacker: Die Anerkennung von Ehrenamtlichen ist sehr wichtig. Diese würdigt und motiviert das Engagement. In regelmäßigen Abständen führe ich beispielsweise Regionalkonferenzen durch, wo die Ehrenamtlichen gewürdigt werden und im Mittelpunkt stehen. Diese Veranstaltungen werden vermehrt stattfinden.

Chucknorris: Glauben sie nicht, dass Arbeitgeber ehrenamtlich engagierte Menschen eher nicht einstellen? Immerhin sind diese weniger flexible und mobil?

Georg Wacker: Solche Fälle mag es auch geben. Allerdings bin ich der Auffassung, dass die Unternehmen spüren, das es der Unternehmenskultur gut tut, wenn Ehrenamtliche ihre Sozialkompetenz in das Betriebsklima hineintragen.

Reinhard: Gibt es Zahlen, wie hoch der Anteil der Rentner unter den Ehrenamtlichen ist?

Georg Wacker: Nach der schon oben erwähnten Freiwilligensurvey der Bundesregierung aus dem Jahre 2005 engagieren sich etwa 30 Prozent der Menschen im Ehrenamt in Baden-Württemberg die älter sind als 66 Jahre.

Cato der Ältere: Sehr geehrter Herr Wacker, denken Sie jeder Mensch sollte ein Ehrenamt übernehmen?

Georg Wacker: Das wäre natürlich optimal. Allerdings wird es eine "perfekte" Gesellschaft nicht geben.

SilkeK: Leider schlägt aber auch das G8 und die geringer werdende Freizeit von Kindern und Jugendlichen da rein. In diesem Sinne könnte das Land eben doch was machen. Mehr Freizeit schaffen für mehr ehrenamtliches Engagement.

Georg Wacker: Jedes Gymnasium hat die Aufgabe, die Kontingentstundentafel so zu gestalten, dass sich der Nachmittagsunterricht in Grenzen hält. Jede Schule muss also auch ein Augenmerk darauf richten, dass nach dem Unterricht auch noch Freizeit für Aktivitäten bleibt. Auch diese Aktivitäten wirken sich auf die Lernmotivation positiv aus. Aber auch innerhalb der Schule gibt es Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements. Beispielsweise in der Schülermitverantwortung-Arbeit (SMV) oder auch als Schülermentoren.

Typo3: Wie viele Mitglieder der Landesregierung sind ehrenamtlich tätig?

Georg Wacker: Nach meinem jetzigen Kenntnisstand haben fast alle Mitglieder mindestens ein unentgeltliches Ehrenamt.

Willi M.: Wo besteht der größte Bedarf an ehrenamtlichen Engagement?

Georg Wacker: Ihre Frage ist wichtig aber auch gleichzeitig schwierig zu beantworten. Es gibt unterschiedlichen Bedarf in der Gesellschaft, die für mich einen nahezu gleichen Stellenwert genießen. Die Betreuung der Senioren steht für mich persönlich ganz oben. Aber wenn Ehrenamtliche sich beispielsweise für Jugendliche engagieren, die sich am Rand unserer Gesellschaft befinden, ist das genauso wichtig. Dazu sind mir auch keine Untersuchungen bekannt.

Islandvulkan: Sollte alle jungen Leute ein Freiwilliges Soziales Jahr machen und dafür der Wehrdienst abgeschafft werden?

Georg Wacker: Alternativ zum Wehrdienst gibt es die Möglichkeit des Zivildienstes als Ersatzdienst. Ein freiwilliges soziales Jahr ist ein Angebot für Menschen, die einem besonderen sozialen Zweck dienen wollen. Im Moment wird politisch nicht ernsthaft angestrebt, ein solches Freiwilliges Soziales Jahr als Pflichtjahr auszuweisen.

Pitje Puck: Was tun Sie ehrenamtlich?

Georg Wacker: Seit einigen Jahren übe ich das Amt des Landesvorsitzenden des Bibliotheksverbandes Baden-Württemberg aus. Daneben bin ich Kreisvorsitzender der CDU Rhein-Neckar. In früheren Jahren habe ich verschiedene Ehrenämter in der kulturellen Jugendarbeit ausgeübt.

Moderator: Liebe Chatterinnen und Chatter, wir sind leider schon kurz vor Ende unseres Chats. Herr Staatssekretär, das Schlusswort gebührt Ihnen:

Georg Wacker: Ich danke Ihnen sehr für Ihre konstruktiven Beiträge. Ihre Beiträge zeigen, dass das ehrenamtliche Engagement bei Ihnen ein großes Interesse findet. Ich nehme diese zum Anlass, im Rahmen meines Verantwortungsbereiches darauf zu achten, dass möglichst wenig Barrieren für ein Engagement bestehen. Vielen Dank für das Engagement an alle Ehrenamtlichen. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei Ihren ehrenamtlichen Aufgaben, denn diese Freude gehört entscheidend dazu.

Moderator: Das waren 90 Minuten Live-Chat mit Georg Wacker, Ehrenamtsbeauftragter der Landesregierung und Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg. Wir danken allen Chatterinnen und Chattern für die rege Beteiligung und entschuldigen uns bei den Fragestellern, deren Fragen wir aus Zeitgründen leider nicht beantworten konnten. Das Transkript dieses Chats können Sie in Kürze auf www.ehrenamt-bw.de nachlesen. Das Chatteam wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Abend!