Transkript des Chats des Kultusministeriums Baden-Württemberg mit
Georg Wacker am 20.10.2009 von 18:00 bis 19:30
Moderator: So, es ist 18 Uhr, unser Chatgast ist auch bereits eingetroffen. Daher gleich die erste Frage an Herrn Wacker:
Peter: Herr Ehrenamtsbeauftragter, welche zukünftigen Projekte sind geplant, um die gesellschaftliche Stellung des Ehrenamts weiter zu stärken?
Georg Wacker: Der Dialog mit den Ehrenamtlichen ist mir außerordentlich wichtig. Ich möchte die Probleme der Ehrenamtlichen kennen, deshalb werden im nächsten Jahr Regionalkonferenzen stattfinden, um das Gespräch mit ihnen zu suchen.
Wdh: Wo kann ich herausfinden, welches Angebot an ehrenamtlichen Stellen es gibt?
Georg Wacker: Die Anlaufstelle "Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement" im Sozialministerium führt eine Liste mit ehrenamtlichen Angeboten. Ansprechpartner sind im Internet einsehbar. Außerdem steht das Landesbüro Ehrenamt im Kultusministerium Ihnen zur Verfügung. Die verschiedenen Verbände, beispielsweise aus dem Bereich des Sports oder der kulturellen ehrenamtlichen Arbeit, führen ebenfalls solche Angebote.
Werner: Warum wird nicht stärker darauf hingewiesen, dass wir Deutscher Meister im Ehrenamt sind? Das würde sicher viele motivieren, auch tätig zu werden.
Georg Wacker: Wir weisen ständig darauf hin, dass wir die höchste Quote von Ehrenamtlichen im deutschlandweiten Vergleich haben. 42 % der Baden-Württemberger sind nach einer Untersuchung der Bundesregierung im Ehrenamt aktiv.
Schekker: Ist es nicht so, dass junge Leute nur noch an sich und ihr Fortkommen denken und weniger an die Gesellschaft? Wie motivieren Sie junge Leute dazu, ehrenamtlich tätig zu werden?
Georg Wacker: An diesem Vorwurf ist etwas dran. Allerdings weise ich darauf hin, dass sich in zunehmendem Maße junge Menschen ehrenamtlich betätigen wollen. Etwas Selbstzweck gehört auch zu den Beweggründen. Schließlich darf Ehrenamt auch Spaß machen. Und wenn das Engagement dazu führt, dass solche junge Menschen bessere Chancen für Ausbildung und Beruf haben, soll es der Gesellschaft insgesamt nur recht sein. Mit einem entsprechenden Programm werben wir gerade bei diesen jungen Menschen für das Engagement in der Gesellschaft.
Metu: Wäre es nicht auch eine Überlegung wert, abgeleistete Ehrenamtsstunden steuerlich wenigstens anzuerkennen?
Georg Wacker: Eine steuerliche Anerkennung kann nur dann erfolgen, wenn man Einkünfte erzielt und auch Steuern bezahlt. Für diesen Fall sieht der Bundesgesetzgeber Steuererleichterungen vor. Im Jahr 2007 wurde der Steuerfreibetrag für Übungsleiter und ein neuer Steuerfreibetrag für ehrenamtliche Funktionsträger eingeführt.(Ehrenamtspauschale)
SCF: Was würden Sie sich von den Unternehmen wünschen, um ehrenamtliche Mitarbeiter besser zu unterstützen / zu fördern?
Georg Wacker: Die Unternehmen sollen die Arbeitszeiten so flexibel gestalten, dass Beschäftigte in der Lage sind, ehrenamtliche Aufgaben außerhalb des Betriebs wahrzunehmen. Außerdem sollten Unternehmen die Möglichkeit des Sonderurlaubs für ehrenamtlich Tätige anbieten, sofern sie in diesem Zeitraum eine ehrenamtliche Tätigkeit ausüben. Imagefördernd für Unternehmen ist auch, wenn sie Ehrenamtliche innerhalb des Betriebes für entsprechende Tätigkeiten auszeichnen.
Metu: Nachfrage steuerliche Anerkennung: Könnte man denn nicht ehrenamtliche Tätigkeiten quasi als Spende anerkennen und so steuerlich geltend machen?
Georg Wacker: Das sieht das Steuerrecht leider nicht vor.
Klaus: Zum Selbstzweck: Ich habe nicht das Gefühl, dass ehrenamtliche Tätigkeit im Lebenslauf anerkannt wird. Ich habe z.B. in meiner Jugend ein antifaschistisches Jugendzentrum aufgebaut, das wird wenig gewürdigt.
Georg Wacker: Es gibt auch solche Beispiele, wo das Ehrenamt nicht gewürdigt wird. Mir sind durchaus viele Beispiele bekannt, wo eine Anerkennung dafür erfolgt.
Anatolij: Wie abhängig sind wir von ehrenamtlich Tätigen? Wie kann z.B. garantiert werden, dass den Feuerwehren nicht die Mitarbeiter ausgehen?
Georg Wacker: Jede funktionierende Gesellschaft ist auf Menschen angewiesen, die sich unentgeltlich für den nächsten engagieren. Wissenschaftliche Studien belegen uns, dass dieses Engagement zunimmt. Allerdings haben sich die Formen des Engagements verändert. Immer mehr Menschen engagieren sich zeitlich begrenzt auf Projekte und nicht mehr auf Dauer. Für mich gilt aber das Fazit, dass die Zahl der Engagierten zunimmt. Feuerwehren sind nach wie vor in vielen Gemeinden eine attraktive Freizeitbeschäftigung.
Walter: Wie werden die laut Homepage etwa 75 Millionen Euro des Landes für Ehrenamt verteilt? Was sind die größten Posten?
Georg Wacker: Auf konkrete Nachfrage kann ich Ihnen gerne eine komplette Aufstellung der einzelnen Positionen zukommen lassen. Die Sportförderung nimmt den größten Einzelposten ein, daneben kommen die Mittel beispielsweise der Laienmusik, Heimatpflege, Amateurwesen zu. Die Jugendförderung, vor allem die Jugendbildungsmaßnahmen bilden in allen Einzelbereichen einen besonderen Schwerpunkt.
Rainerle: Warum gibt das Land eigentlich soviel Geld für Ehrenämter aus? Sollten diese Kosten nicht stärker von privaten Initiativen getragen werden?
Georg Wacker: Es gibt viele private Initiativen, die nicht registriert sind. Viele Bürgerinitiativen erwirtschaften ihre Mittel selbst, ohne dabei sofort nach staatlichen Zuschüssen zu rufen. Gewisse Impulse muss das Land setzen, damit das Ehrenamt günstige Rahmenbedingungen vorfindet. Genau hierfür sind die Mittel vorgesehen.
Heilbronx: Könnte man nicht so etwas wie das FSJ für ältere Personen einführen? Gerade Ältere, die in Arbeitslosigkeit fallen, könnten so für sich und andere eine gewinnbringende Beschäftigung finden.
Georg Wacker: Solche Angebote gibt es auch für Senioren. Beispielsweise im Rahmen des Jugendbegleiterprogramms an Schulen, bei sogenannten Freiwilligendiensten aller Generationen können sich gerade Seniorinnen und Senioren engagieren. Auch als Bürgermentoren können sich Senioren betätigen. All die eben erwähnten Beispiele werden vom Land unterstützt, damit Senioren Anreize vorfinden, sich im Ehrenamt zu engagieren. Der demographische Wandel im Land führt dazu, dass wir immer mehr ältere Menschen in unserer Gesellschaft haben. Warum soll das Ehrenamt davon nicht profitieren?
Baschti: Ich bin Kassenwart in einem Mandolinenverein. Ich finde es unfair, dass ich zwar kein Geld erhalte, aber für Fehler trotzdem persönlich hafte. Was sagen Sie dazu?
Georg Wacker: Erst vor kurzem hat der Bundesgesetzgeber beschlossen, dass die Haftungsrisiken für Verantwortungsträger in den Vereinen reduziert wurden. Nur noch bei grober Fahrlässigkeit können diese Personen persönlich in Haftung genommen werden. Baden-Württemberg hat sich sehr stark für diese Änderung eingesetzt.
Stefan P.: Welche Initiativen gehen eigentlich auf das Beratungsgremium des Landes zurück?
Georg Wacker: Es gibt mehrere Beratungsgremien. Sie meinen wohl das Landeskuratorium Bürgerarbeit. Dieses Kuratorium erarbeitet gerade Handlungsempfehlungen mit dem Ziel, verstärkt Migrantinnen und Migranten im Ehrenamt einzubinden.
Ex. Pfleger: Ich habe das Gefühl, dass im Sozialen Bereich (bei mir Altenheim) Ehrenamtliche Festangestellte verdrängen bzw. deren Aufgaben übernehmen. Was kann man dagegen tun?
Georg Wacker: Hier müsste man das konkrete Beispiel betrachten. Wenn man sich die Altenpflege anschaut ist eine Professionalität unverzichtbar. Ehrenamtliche bilden eine sinnvolle Ergänzung für diesen Bereich. Es ist nicht auszuschließen, dass Kostenträger den Personalbestand reduzieren und die Lücken durch Ehrenamtliche auffüllen. Sicher können hierbei Kostengründe eine Rolle spielen. Solche Entwicklungen begrüße ich nicht. Wie gesagt: Ehrenamtliche sind eine sinnvolle Ergänzung.
Holger42: Irgendwie sind ja die meisten Ehrenämter wichtig. Wieso wird denn Sport so stark gefördert, andere wichtige Bereiche (Demokratieföderung, Armenfürsorge) dagegen weniger?
Georg Wacker: Der Sport bildet die größte Gruppe im Ehrenamt. Deswegen erhält der Sport einen angemessenen finanziellen Anteil. Die sportliche Vereinsarbeit konzentriert sich bekanntermaßen nicht nur auf den Sport. Bestandteil der Vereinsarbeit ist das soziale Lernen und somit auch Demokratieerziehung.
Moderator: Zwei Fragen gebündelt:
Trollinger: Warum ist die Förderung des Ehrenamts Ländersache?
Trollinger: Findet ein Austausch der Erfahrungen auf diesem Gebiet zwischen den Ländern statt?
Georg Wacker: Es gibt einen Erfahrungsaustausch zwischen den Bundesländern der regelmäßig gepflegt wird. Auch die Verbände des Ehrenamtes sind auf Bundesebene organisiert. Auch der Bund finanziert Programme für das Ehrenamt. Die wichtigste Keimzelle allerdings ist die unterste Ebene, nämlich die Kommunen. Dort werden die entscheidenden Grundlagen für dieses Engagement gelegt.
Schekker: In einem früheren Chat (ja, damals war ich auch dabei) haben Sie mal vorgeschlagen, einen Ehrenamtsstammtisch der Ehrenamtsbeauftragten der anderen Länder geben soll. Gibt es mittlerweile einen Austausch mit Anderen?
Georg Wacker: Ich freue mich sehr darüber, dass Sie meine Aussagen so genau verfolgen. Die Kontaktaufnahme zu anderen Ministerien gestaltet sich auf politischer Ebene deshalb schwierig, da nach meinem Kenntnisstand Baden-Württemberg eines der ganz wenigen Bundesländer ist, das einen Ehrenamtsbeauftragten der Landesregierung bestellt hat. Deshalb kam der Stammtisch leider noch nicht zustande.
Rübli: Ist das Ehrenamt nicht ausreichend wichtig, um einen vollberuflichen Beauftragten zu bekommen? Und nicht nur eine von vielen Zuständigkeiten eines viel beschäftigten Ministers zu sein?
Georg Wacker: Für diesen Vorschlag kann man Sympathie gewinnen. Allerdings haben wir in den zuständigen Ministerien hauptamtliche Mitarbeiter, die sich ausschließlich um das Ehrenamt kümmern. Diese Mitarbeiter arbeiten dem Ehrenamtsbeauftragten professionell zu.
Sator: Kann an Ganztagsschulen kombiniert mit Lehrbeauftragten und Jugendbegleitern gearbeitet werden?
Georg Wacker: Ja.
Sabrine: Kann ich für meine ehrenamtliche Tätigkeit ein Zeugnis verlangen?
Georg Wacker: Ja.
Roman: Besteht ein genereller Anspruch auf Freistellung vom Arbeitgeber für die Teilnahme an Fortbildungen /Schulungen für Jugendfreizeiten?
Georg Wacker: Ich verweise auf das "Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes in der Jugendarbeit". Danach haben Ehrenamtliche einen Freistellungsanspruch von jährlich zehn Tagen und in der Ausbildung befindliche Jugendliche einen Anspruch von fünf Tagen.
Jochen: Sie haben gesagt, dass Migranten mehr eingebunden werden sollen. Wie soll das klappen? Und woran liegt es, dass Migranten bisher eher selten ehrenamtlich tätig sind?
Georg Wacker: Nach unseren Erkenntnissen nehmen junge Migranten sogenannte niederschwellige Angebote wahr, beispielsweise im Sport. Allerdings ist es zur Zeit noch schwer, Migranten für Führungsaufgaben zu gewinnen. Hier muss man besondere Instrumente entwickeln, um besonders auf diese Zielgruppe zugehen zu können. Allerdings sind auch hier zuerst die Verantwortungsträger vor Ort gefordert.
LoreLey: Ich bin Lehrerin und in meiner Freizeit in einem Altenheim engagiert. Nun möchten mich zwei meiner Schülerinnen begleiten. Geht das? Was muss ich beachten? Versicherungsschutz?
Georg Wacker: Wenn es sich hierbei um eine schulische Veranstaltung handelt, könnte der Versicherungsschutz der Schule greifen, wenn die Schüler Sie privat begleiten, muss geklärt werden, ob die Schüler selbst haftpflichtversichert sind oder ob der Träger der Einrichtung einen Versicherungsschutz für Besucher bzw. Gäste gewährleistet. Das Land Baden-Württemberg hat einen flächendeckenden Versicherungsschutz für Ehrenamtliche abgeschlossen. In diesem konkreten Fall empfehle ich Ihnen, direkt bei ehrenamt@ecclesia.de anzufragen.
Hopsa: Ich habe meine Lehrstelle nicht erhalten und überlege, etwas Freiwilliges zu machen. Haben Sie einen Tipp, was man machen kann, um gute Chancen auf Einstellung zu haben?
Georg Wacker: Das ist eine schwierige Frage. In jedem Fall lohnt sich ein ehrenamtliches Engagement zur Überbrückung. Hilfreich für Sie wäre, wenn der Träger Ihr Engagement zertifizieren könnte, um dieses Zertifikat bei Ihrer nächsten Bewerbung vorlegen zu können. Der Qualipass ist hierfür sehr geeignet. Am besten Sie suchen sich eine Tätigkeit, die für Ihr Bewerbungverfahren von konkretem Nutzen ist.
Burbach: Gibt es schon Erfahrungen mit dem Qualipass für Erwachsene?
Georg Wacker: Der Qualipass für Erwachsene ist seit Juli 2009 auf dem Markt. Die Nachfrage steigt ständig. Bisher wurden 2000 Exemplare angefordert. Für den Qualipass insgesamt wurden bisher über 300 000 Stück angefertigt.
Felix: Wir haben sehr viele Anfragen von Studenten, die gerne bei uns im Jugendcafé helfen würden. Allerdings gerne mit Bescheinigung. Gibt es da einen Vordruck?
Georg Wacker: Auch hierfür ist der Qualipass geeignet. Der Träger des Jugendcafés kann ein Dokument für den Qualipass ausstellen. Nähere Informationen über den Qualipass erhalten Sie unter www.qualipass.info.
Pachulke: Als ehrenamtlich tätiger Sportlehrer komme ich mir beim Gang zum Amt oft wie ein Bittsteller vor, wenn ich für meine Sportgruppe Hallenzeiten beantrage. Meine ehrenamtliche Tätigkeit wird dort nicht honoriert, sondern im Gegenteil! Frage: Warum wird ehrenamtliche Arbeit nicht als Geschenk betrachtet?
Georg Wacker: Auch hier ist die Wahrheit konkret. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Engagement im Rathaus nicht ausreichend gewürdigt wird, sollten Sie das gegenüber den kommunalen Entscheidungsträgern thematisieren. Wenn Hallen überbelegt sind, muss die Kommune natürlich nach Wegen suchen, um allen Vereinen einigermaßen gerecht zu werden. Hier kann ich Ihnen nur raten, sich mit einem kompetenten Ansprechpartner in Ihrem Rathaus in Verbindung zu setzen.
Jolle: Nachfrage zu Migranten: Viele erfahren viel Hilfe von ehrenamtlichen und sind auch bereit, solche weiter zu geben. Was können Personen mit mangelnden Deutschkenntnissen an ehrenamtlichen Tätigkeiten ausüben?
Georg Wacker: Wenn Migranten Sprachprobleme haben, kann ich sie nur dazu ermuntern, sich möglichst häufig mit deutschsprachigen Bürgerinnen und Bürgern zu treffen, um die deutsche Sprache besser zu erlernen. Auch hier gilt die gesellschaftliche Regel: Das Erlernen der deutschen Sprache ist der Schlüssel zu einer gelingenden Integration! Das gilt auch für das Ehrenamt. Spezielle Angebote für Migranten mit Sprachbarrieren kenne ich nicht, es sei denn, es gibt ehrenamtliche Sprachförderkurse.
Pachulke: Konkret: Uns wurde wirklich eine Hallenzeit, die wir über Jahre hatten, wieder für eine andere Gruppe weggenommen. Im Rathaus habe ich eher das Gefühl, dass ich einen noch schlechteren Stand habe, wenn ich mich auch noch beschwere.
Georg Wacker: Leider bin ich nicht in der Lage, Ihren konkreten Einzelfall zu begutachten. Gibt es nicht eine Person Ihres Vertrauens als Mittler im Rathaus?
Mrs Checkitall: Wer hilft eigentlich, wenn es Probleme bei der ehrenamtlichen Tätigkeit gibt? Ehrenamt heißt ja auch "Amateur trifft Profi" - da kann es schon mal Konflikte geben.
Georg Wacker: Es gibt verschiedene Anlaufstellen für mögliche Problemlagen. Beispielsweise entsprechende Ehrenamtsbüros vor Ort, Ansprechpartner der Fachverbände oder auch das Ehrenamtsbüro im Kultusministerium.
Onken: Ich habe nur schlechte Erfahrungen mit ehrenamtlichen Aufgaben gemacht. Übernimmt man Posten, wird man als machtgeil abgestempelt; macht man einfache Arbeiten, ist man der Depp. So etwas mache ich nie wieder.
Georg Wacker: Ich finde es sehr schade, wenn Sie enttäuscht sind. Ich kenne auch andere Beispiele. Viele Ehrenamtliche empfinden es als persönliche Bereicherung, wenn sie Führungsaufgaben wahrnehmen dürfen. Sie sollten Ihr "Licht nicht unter den Scheffel" stellen. Möglicherweise nimmt man Sie gar nicht als "Depp" wahr, wenn Sie einfache Aufgaben wahrnehmen.
Hopsa: Gibt es Bemühungen, Ehrenamt auch auf europäischer Ebene weiter zu fördern?
Georg Wacker: Auch die EU-Kommission hat das Thema Ehrenamt entdeckt. Die EU erklärt das Jahr 2011 zum Jahr der Freiwilligentätigkeit. Einen Hinweis finden Sie auf unserer Homepage www.ehrenamt-bw.de. Mal sehen, was die EU aus diesem Jahr macht.
Karin: 2011 ist das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit. Was ist in Hinblick darauf speziell in Baden Württemberg geplant?
Georg Wacker: Wir betten unsere Aktivitäten in dieses Aktionsjahr der EU ein. Dabei haben wir besonders die Felder im Blick, die international ausgerichtet sind. Das Ziel der EU ist es allerdings, den Stellenwert der Freiwilligentätigkeit mit Signalwirkung aufzuwerten. Finanzielle Mittel der EU stehen so gut wie nicht zur Verfügung.
Gerdi52: Ich finde es nicht gerecht, dass ich als Grüne Dame im Krankenhaus nicht irgendwie besser gestellt werde als irgendwelche Leute, die ein Tischfußballturnier veranstalten.
Georg Wacker: Warum werden Sie nicht besser gestellt?
Moderator: Noch einmal zwei Fragen gebündelt:
Walter: Was tut das Land, um junge Menschen ans Ehrenamt heranzuführen? Bei uns im Verein sind die Aktiven alle deutlich über 50 Jahre alt.
Fritzle: Guten Tag. Ich bin Abiturient und der Einzige meines Alters, der eine ehrenamtliche Tätigkeit (Hausaufgabenhilfe) ausübt. Gäbe es mehr Werbung, würden sicher mehr von uns etwas tun. Wieso gibt es kaum Werbung für das Ehrenamt?
Georg Wacker: Wir werben auf unseren Internetauftritten für verschiedene Programme. Ich kann hier nur einige Beispiele aufführen: Das Jugendbegleiterprogramm spricht ebenfalls Jugendliche an. An den Gymnasien wird die Hausaufgabenbetreuung angeboten und vom Land bezuschusst. Das Schülermentorenprogramm des Landes spricht Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren an. Darüber hinaus unterstützen wir die Jugendverbände mit Jugendbildungsmaßnahmen. Beispielsweise werden Bildungsreferenten zur Vorbereitung von Jugendaktivitäten unterstützt.
Mustei: Vielen ALG II-Empfängern wird die ehrenamtliche Tätigkeit von der Bundesagentur erschwert. Könnte man da nicht was ändern?
Georg Wacker: Hier würde ich Sie um das konkrete Beispiel bitten.
Lars: In welchen Fällen kann ich für meine ehrenamtliche Arbeit Sonderurlaub bekommen?
Georg Wacker: Beispielsweise für die Tätigkeit in Zeltlagern, Jugendherbergen und Begegnungsstätten, in denen Jugendliche vorübergehend betreut werden. Ebenfalls ist die Freistellung zur Teilnahme an Aus- und Fortbildungslehrgängen möglich. Weitere Beispiele können Sie auf der Homepage: www.ehrenamt-bw.de ersehen. All diese Maßnahmen sind in dem Gesetz zur Stärkung des Ehrenamts aufgelistet.
GertWiedner: Ab wann ist eine Tätigkeit denn offiziell ehrenamtlich? Ich helfe an Spieltagen bei einem Fußballverein aus und bekomme dafür in unregelmäßigen Abständen eine Kiste Bier.
Georg Wacker: Dann kann ich nur sagen: zum Wohl! Eine Kiste Bier kann man sicher nicht als ein Entgelt werten.
Voreili23: Ich denke, ehrenamtliche Mitarbeiter wünschen sich manchmal mehr Anerkennung. Könnte man nicht so ein Portal mit Name und Profil für die einrichten?
Georg Wacker: Sie haben recht: Ehrenamt braucht Anerkennung. Auf unserem neuen Ehrenamtsportal wollen wir gelungene Beispiele veröffentlichen. Daneben gibt es zahlreiche Veranstaltungen, wo ehrenamtliches Engagement gewürdigt wird. Der Ehrenamtspreis des Landes "Echt-Gut!"-Ehrenamt in Baden-Württemberg ist ein sehr bekanntes Beispiel dafür.
Moderator: Eine Rückmeldung zum Beitrag etwas weiter oben:
Gerdi52: Ich bekomme ebenso kein Geld wie die Anderen (abgesehen davon bekommen die Freigetränke, Essen etc.). Mir geht es aber darum, dass unser Bürgermeister den Organisatoren für ihr Engagement dankt, auf Seite 1 der Lokalzeitung. Ist ja "ehrenamtlich". Das hätten wir Grünen Damen mehr verdient!
Georg Wacker: Für mich steht außer Frage, dass Sie diese Anerkennung ebenfalls verdient haben. Meines Erachtens sollte Ihr Krankenhaus Ihr Engagement würdigen, in dem Ihr Beispiel in der Presse oder auf Veranstaltungen gewürdigt wird. Gerade Ihr Aufgabenfeld ist besonders anspruchsvoll und ausgesprochen lobenswert!
Winston: Kann ich als Chef meine Angestellten zu sozialer Arbeit verpflichten? Ich würde dieses Jahr anstatt des alljährlichen Betriebsausflugs zum Weihnachtsmarkt gerne einen Tag der Tafel helfen.
Georg Wacker: Wenn ein Arbeitgeber seine Beschäftigten anweist, diese Tätigkeit im Rahmen des Berufs auszuüben, hat das nichts mehr mit Ehrenamt zu tun. Im Rahmen des Arbeitsverhältnisses kann ein solches Vorgehen geprüft werden. Allerdings handelt es sich hierbei um ein "dienstliches" Vorgehen.
Moderator: Zwei Fragen zum Aufgabenfeld des Ehrenamtsbeauftragten:
Alois Hahn: Herr Staatssekretär, war Ihnen Ehrenamt auch schon vor Ihrer Stellung als Ehrenamtsbeauftragter wichtig und haben Sie selber auch Ehrenämter?
Hela: Was gehört zu Ihren wichtigsten Aufgaben als Ehrenamtsbeauftragtem?
Georg Wacker: Ja. Mit 14 Jahren begann ich mich in der katholischen Jugendarbeit zu engagieren. Während meines Studiums war ich in Gesangsvereinen aktiv. Dies sind einige wenige Beispiele aus meiner Vergangenheit. Auch heute übe ich Ehrenämter im vorpolitischen und politischen Raum aus. Als Ehrenamtsbeauftragter habe ich die Aufgaben, die ehrenamtpolitischen Maßnahmen der Landesregierung zu koordinieren. Gleichzeitig bin ich das Sprachrohr des Ehrenamtes in der Landesregierung.
HSV: Wie sähe Deutschland ohne Ehrenamt aus?
Georg Wacker: Deutschland wäre sehr arm. Jede funktionierende Gesellschaft ist auf den sozialen Zusammenhalt der Menschen angewiesen. Ohne Ehrenamt käme dieser soziale Zusammenhalt nicht zustande.
Sybille T.: Mein Freund hat zwei Ehrenämter inne. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Warum sollte ich dafür Verständnis haben?
Georg Wacker: Ich meine, Sie können sich darüber freuen, dass Ihr Freund verantwortungsvolle Aufgaben wahrnimmt. Vielleicht kommt das auch Ihrer Beziehung an anderer Stelle zu Gute.
Moderator: Das waren 90 Minuten Internet-Live-Chat auf ehrenamt-bw.de. Wir bedanken uns bei allen Fragestellern für die interessanten Beiträge und Fragen. Ein ganz besonderer Dank geht auch an unseren Chatgast Georg Wacker für die Antworten. Danke auch, dass sie sich heute die Zeit genommen haben, die Fragen unserer Chatter zu beantworten. Gleichzeitig entschuldigen wir uns bei allen Fragestellern, deren Beiträge wir aus Zeitgründen heute nicht berücksichtigen konnten. Das Transkript dieses Chats können Sie in Kürze auf ehrenamt-bw.de nachlesen. Das Chatteam wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Abend!
